© 2017 HEIDI PFOHL I PHOTOGRAPHY & MEDIA ARTIST

Lieu/Espace

2013

 

10 Fotografien

C-Prints, gerahmt

je 30 x 40 cm

Die Arbeit zeigt die dokumentarischen Fotografien von Zimmern verschiedener Kinder- und Jugendpsychiatrien. Sie geben Einblick in die bewohnten Krankenzimmer. Hierbei tauchen verschiedene Muster auf, die sich in anderen Krankenzimmern wiederholen oder die mit Assoziationen brechen. Neben den Krankenzimmern zeigt die Serie auch Aufnahmen von Ruhe- und Krisenräumen. Ein zentraler Aspekt der Fotografien ist das Fenster. Trennt es doch die Innen- von der Außenwelt, so trennt es hier auch die Normalität des Außerhalb von der Abnormalität der eigenen Innenwelt. Das Fenster stellt eine Grenze zwischen Innen und Außen, Normal und Abnormal dar. Es läßt zwar einen Blick auf die Außenwelt zu, diese aber bleibt dem Patienten verschlossen, da sich die Fenster auf den kinderpsychiatrischen Stationen von den Patienten selbst nicht vollständig öffnen lassen. Die Arbeit zeigt den Raum, in dem sich auratische Formen manifestieren, aber auch behandelt werden und umgänglich gemacht werden. Gleichzeitig wird ein Ort gezeigt, der von der Gesellschaft tabuisiert wird und dadurch vorbelastet ist, dem eine Fülle an Vorurteilen voraus eilt. Durch das Unwissen über den Ort (Psychiatrie) wird dem Raum (Krankenzimmer) eine bestimmte Vorstellung zugeschrieben, wie dieser Raum vermeintlich ist. Raum (franz. Espace) und Ort (franz. Lieu) stehen hierbei in engen Zusammenhang, da sie sich gegenseitig bedingen. Die Stabilität des Ortes Psychiatrie beherbergt den sich verändernden Raum des Krankenzimmers, der dem Ort seine Referenz verleiht.

 

Lieu / Espace (2013) ist Teil der Diplomarbeit an der Kunsthochschule für Medien Köln gewesen. Gemeinsam mit der Arbeit Folie à deux (2013) beschreiben die beiden Arbeiten die Auseinandersetzung mit dem Wahnsinn und der Zuspitzung von Realität am Modell emotionaler Räume. Den beiden Arbeiten ging eine umfangreiche Recherche auf verschiedenen Ebenen voraus. Einerseits durch die Aufarbeitung historischer Hintergründe der Psychopathologie und der Institution Psychiatrie, und andererseits auf der Ebene der Erforschung und Hinterfragung von räumlichen Zusammenhängen von Wahnsinn und Mensch (siehe auch Heidi Pfohl: Von Geistersehern und Geistermachern - Fotografische Darstellungen des Wahnsinns in den Psychiatrien um die Jahrhundertwende, Diplomarbeit, Kunsthochschule für Medien Köln, 2013).

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